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Vorbild

Teilhabe mit digitalen Technologien ermöglichen

Sonderschullehrer Igor Krstoski hat schon Augensteuerungen mit Web-Cams gebastelt, Lernspiele programmiert – und sogar mit seinen Schülern einen Kurzfilmpreis gewonnen.

An zahllosen Orten Deutschlands bringen Lehrerinnen und Lehrer digitale Inhalte und Ansätze in die Klassenzimmer. In der Serie „Das Vorbild“ stellt Coding Kids Pädagogen und ihre ausgewählten Projekte vor. Als Sonderschullehrer unterrichtet Igor Krstoski körperbehinderte Kinder. Schon früh erkannte er, wie die Technik den Alltag seiner Schülerinnen und Schüler verbessern kann. Der Umgang mit digitalen Technologien gehört für sie häufig zum täglichen Leben – wie etwa das xxx.

Herr Krstoski, wie nutzen Sie digitale Inhalte und Techniken in der Praxis?

Igor Krstoski
Igor Krstoski

Ich lernte während meines Zivildiensts Schülerinnen und Schüler kennen, die sich Dank Sprachcomputer mitteilen konnten. Nach meinem Studium des Lehramts auf Sonderpädagogik hatte ich in meinem Refrendariat drei Schüler, die mit einem Sprachcomputer – umgangssprachlich sagen wir Talker – kommuniziert haben. In diesem Zusammenhang konnte ich erste praktische Erfahrungen sammeln. Unter anderem bastelten wir Augensteuerungen mit Web-Cams. Ich habe mit meinem Vorgänger viele Lern-Spiele für diese Schüler programmiert.

Die Erkenntnis nach dem Refrendariat war, dass digitale Technologien Funktionsbeeinträchtigungen kompensieren und Teilhabe sowie Aktivität ermöglichen können. Dies war dann auch ein Teil meiner Arbeit an meiner ersten Stelle als Klassenlehrer an einer kleinen Schule für Körperbehinderte. Ein weiteres Gebiet ist, dass viele SchülerInnen technische Geräte zu Hause haben und nutzen. Daher habe ich einen Blick darauf gelegt, wie wir Digitale Medien im Unterricht einsetzen können. Das waren unter anderem Projekte, in denen wir mit der Digi-Cam Bilder gemacht, am PC bearbeitet und dann Kochbücher erstellt hatten.

Einen weiteren Impuls bekam ich durch das iPad. Zunächst noch mit privatem Gerät in der Schule, konnten wir dank einer Kollegin und der Peter-Maffay-Stiftung für jeden Schüler der Klasse ein iPad zum Lernen organisieren. Wir waren die erste iPad-Klasse an einer Schule für Körperbehinderte in Deutschland. Ich hatte angefangen, meine Erfahrungen zu bloggen, daraus ist mein Blog entstanden: UK-App-Blog. UK steht übrigens für Unterstützte Kommunikation.

Wie reagieren die Schüler auf Ihren digitalen Unterricht?

Zum Weiterlesen:

Die SchülerInnen reagieren eigentlich recht offen. Man merkt, dass manche mehr Erfahrungen als andere haben. Als die iPads in der Klasse eingeführt wurden, war ein Schüler Experte und erklärte seinen Mitschülern verschiedene Funktionen. Das hat ihn stolz gemacht, da er seine Stärken zeigen konnte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die SchülerInnen mit den Geräten und Apps zurechtkommen, obwohl sie manche Herausforderungen beim Lernen haben. Ich finde es spannend, wie wir immer wieder Situationen erlebt haben, in denen kollaboratives Lernen stattgefunden hat.

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

„Digitale Technologien können Funktionsbeeinträchtigungen kompensieren und Teilhabe sowie Aktivität ermöglichen.“ Igor Krstosk

Wir hatten uns bei der Stadt Sigmaringen für das Jugendfilmfestival Movie Hirsch beworben. Mit der Lege-Trick-Technologie haben wir Star Wars und die Geschichten von Vater und Sohn nach E. O. Plauen gemixt. Heraus kam ein Kurzfilm, mit der Handlung aus „Der verlorene Sohn“ eingebettet in das Star Wars Theme. Die SchülerInnen waren zu diesem Zeitpunkt große Star Wars Fans. Als die Einladung zum Festival kam, waren wir alle sehr aufgeregt. Schließlich durften wir einen Preis auf der Bühne entgegennehmen und unser Film wurde dem Publikum vorgeführt. Als Lehrer habe ich versucht, alle Schüler im Entstehungsprozess einzubinden. Es gab sehr viel zu tun, es gab unterschiedliche Rollen – und jeder konnte sich mit seinen/ihren Ideen einbringen und einen Teil dazu beitragen, dass dieser Film entsteht. Der Moment bei der Preisverleihung, als Klasse auf der Bühne zu stehen, hat uns alle sehr stolz gemacht.

Auf welche Hürden sind Sie dabei gestoßen?

Hürden gab es hier und da. Sei es technische, dass beispielsweise zunächst kein WLAN zur Verfügung stand. Zu Beginn war es auch eine Art „App-Jagd“. Was habe ich Homepages, Internet-Foren und Facebook-Gruppen durchforstet! Immer auf der Suche nach der einen App, die möglichst viel kann. Nach zwei, drei Jahren, als der Markt erschlossen und sich bestimmte Apps etabliert hatten und Erfahrungswerte generiert waren, hatte man einen soliden Stock an Know-how, mit dem man dann arbeiten konnte. Es hat sich viel getan. Heute habe ich nach vielen Gesprächen mit anderen LehrerInnen das Gefühl, dass es keine App-Euphorie mehr gibt. Dafür wenige Apps, die umso intensiver genutzt werden.

Was haben Sie aus dem Projekt mitgenommen und was können andere Pädagogen daraus lernen?

Einerseits den Mut zu haben, etwas Neues zu wagen. Andererseits bei aller Eurphorie die Ziele des Unterrichts und die SchülerInnen dabei vergessen, halte ich für nicht zielführend. Den Fokus nur auf das Digitale zu setzen, weil es neu und cool ist oder weil es irgendwelche Möglichkeiten bietet, greift zu kurz. Ich würde mir überlegen, welche Ziele ich mit den Medien verfolge – es muss nicht immer digital sein.

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