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Vorbild

Wikis im Klassenzimmer

Die Schüler von Lehrer Maik Riecken dokumentieren ihre Arbeitsergebnisse gemeinsam.

An zahllosen Orten Deutschlands bringen Lehrerinnen und Lehrer digitale Inhalte und Ansätze in die Klassenzimmer. In der Serie „Das Vorbild“ stellt Coding Kids Pädagogen und ihre ausgewählten Projekte vor. Der Gymnasiallehrer Maik Riecken aus Niedersachsen unterrichtet Deutsch, Chemie und Informatik. Er warnt davor, digitale Medien als Selbstzweck zu verstehen und nur die Motivation der Schülerinnen und Schüler in den Vordergrund zu stellen. Ein Interview über seine Erfahrungen.

Herr Riecken, wie nutzen Sie digitale Inhalte und Techniken in der Praxis?

Maik Riecken
Maik Riecken

Die Frage müsste für mich eher lauten: Wie organisiere ich unterrichtliches Handeln im Zeitalter der Digitalisierung? Es gibt im Unterricht immer an Inhalte gebundene Kompetenzen. Manche lassen sich durch digitale Medien sinnvoll unterstützen und manche eben nicht. Im Fach Chemie zum Beispiel habe ich Geräte, Chemikalien und Fachräume. Alles wunderbare Medien! Da brauche ich im klassischen Unterricht sehr wenig Digitales – allenfalls für bestimmte Simulationen. In Deutsch sieht es da schon anders aus. Wenn ich dort zum Beispiel gezielt üben möchte, Verbindungen zwischen Argumenten zu gestalten, sehe ich keinen Sinn darin, schon erarbeitete Argumente noch einmal in ein Heft schreiben zu lassen. Das geht per Drag & Drop zum Beispiel in einer Textverarbeitung oder einem Etherpad (ein webbasierter Texteditor, in dem mehrere Menschen gleichzeitig arbeiten können, die Redaktion) methodisch deutlich besser.

Auf welches Schulprojekt sind Sie besonders stolz? Was ist Ihnen dabei geglückt?

Materialien

Konzept: In diesem Blogeintrag beschreibt Mai Riecken, wie sein Chemie-Kurs den Experimentiertag für Kindergartenkinder entwickelte.

Hintergrund: Die Arbeiten des Lehrers Andreas Kalt zum Thema Wiki im Unterricht sieht Riecken als didaktische Referenz seines Ansatzes.

Ich habe einen Kurs an meinem Gymnasium die Aufgabe gegeben, einen Experimentiertag für Kindergarten- und später auch Grundschulkinder vorzubereiten. Den Prozess habe ich mit Elementen des Projektmanagements organisiert. Die Dokumentation erfolgte in einem Wiki, damit ich als Lehrer immer darüber im Bilde war, wie weit die Gruppen in ihrer Arbeit gerade sind. Ein Wiki ist eine Internetseite, die sich von einer Gruppe mit einfachen Mittel strukturieren und gestalten lässt. Dort war auch der Projektablauf mit wichtigen „Ankerterminen“ (Milestones) festgehalten. Das Wiki war ein sinnvolles Werkzeug zur Unterstützung des Weges – nicht mehr und nicht weniger. Der Experimentiertag für die Kinder war ein voller Erfolg und eine große Motivation für sie, in der Folge weiter an chemischen Fragen zu arbeiten.

Auf welche Hürden sind Sie dabei gestoßen?

Die Hürden waren in vorherigen Unterrichtsexperimenten eigentlich schon weitgehend überwunden. Wer erwartet, von Anfang an in Bezug auf den Einsatz digitale Medien alles zu können und alles richtig zu machen, muss scheitern. Im Kern geht es immer nur um guten Unterricht. Und es geht um den Mut, Fehler machen und sich auch als Lehrkraft entwickeln zu dürfen.

Was können andere Pädagogen daraus lernen?

Digitale Medien sind kein Selbstzweck. Schülerinnen und Schüler sind intelligent und werden sich von etwas Neuem nicht lange beeindrucken lassen. Deswegen finde ich es auch gefährlich, in Bezug auf digitale Werkzeuge immer das Argument „die Schülerinnen und Schüler sind hochmotiviert“ in den Vordergrund zu stellen. Die Technik wird über kurz oder lang an Schulen zur Normalität werden – auch wenn das heute noch unglaublich klingen mag.

Zur Person

Maik Riecken unterrichtet an einem niedersächsischen Gymnasium die Fächer Deutsch, Chemie und Informatik. Mit einem Großteil der Stunden ist er an das niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) abgeordnet. Dort unterstützt er Schulen bei der Integration auch digitaler Medien in die schuleigenen Arbeitspläne, entwickelt gemeinsam mit Trägern Ausstattungs- und Wartungskonzepte für Schulen und beteiligt sich an landesweiten Vorhaben zur Stärkung der Medienbildung an Schulen. In seinem Blog befasst er sich unter anderem mit Lernplattformen.

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