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GIFs – Quatsch oder nicht?

Das Dateiformat kommt zwar aus dem digitalen Pleistozän, ist aber trotzdem Wahnsinn.

Quatsch oder nicht?

Die digitale Welt steckt voller schräger Phänomene. Coding Kids erklärt, ob sie Humbug sind – oder ob sich jeder einmal damit beschäftigen sollte.

R Gifs BL 02

Das sind … GIFs

Lest ihr gerade ernsthaft einen Text, in dem es um ein Dateiformat für Fotos geht, das 1987 erfunden wurde? Also gut. GIF steht für Graphics Interchange Format, es kann 256 Farben darstellen (ja, das ist wenig). Erfunden hat es der US-Amerikaner Steve Wilhite, der damals bei CompuServe arbeitete. So weit, so öde.

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Ok, das ist es wirklich

GIFs! Das ist Kunst, das sind große Gefühle, das ist Niedertracht und Liebe! Zwar kommt das GIF-Format aus dem digitalen Pleistozän, trotzdem ist es aktuell und beliebt wie nie. Der simple Grund: Das GIF-Format kann animierte Bilder darstellen und ist damit so etwas wie das Daumenkino des Internet-Zeitalters. Daumenkinos sind verdammt cool, aber auch langwierig in der Erstellung, die Älteren werden sich erinnern. GIFs dagegen kann man zwar selbst machen, muss man aber nicht. Es gibt nämlich schon unzählige. Das sieht dann so aus:

Oder so.

Oder so.

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Was soll der Hype?

Und warum reden jetzt alle über ein antiquiertes Dateiformat, obwohl man genauso gut über Virtual Reality, 3D-Filme oder 360-Grad-HD-Videos sprechen könnte? Kurz gesagt: Weil offensichtlich verdammt viele Menschen finden, dass sich Gefühle besser und schöner mit dem passenden GIF ausdrücken lassen als mit Worten, Smileys oder Emojis. Gefühle wie Fremdscham zum Beispiel.

GIFs sind kein Nerd-Phänomen. Barack Obama nutzt sie, Lady Gaga, Beyoncé, vermutlich sogar eure Oma. Die Plattform Giphy meldete zuletzt, dass sie an jedem einzelnen Tag mehr als eine Milliarde GIFs ausspielt. Pro Tag schauen Nutzer demnach mehr als zwei Millionen Stunden GIFs an. Und das sind allein die Zahlen einer einzigen Plattform.

Die animierten Bilder sind zu einer eigenen Kunstform geworden. Galerien zeigen Ausstellungen aus GIFs. Nutzer kondensieren ihre Lieblingsfilme auf wenige Sekunden und veröffentlichen sie als GIF. Sogar Mordanschläge werden mit den Bildern verübt: In den USA soll ein Mann bewusst ein flackerndes GIF an einen Epileptiker geschickt haben – der erlitt daraufhin tatsächlich einen Anfall.

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Kennt GIF nächstes Jahr noch irgendwer?

Auf jeden Fall. Immerhin steht der Begriff GIF mittlerweile sogar im Oxford Dictionary. Schon 2012 wurde GIF zum Wort des Jahres gekürt. Es gibt kaum ein Thema, das sich nicht in GIFs ausdrücken lässt. Szenen aus Fußballspielen sind beliebt – gerne auch in parodierter Form. Hier etwa ein verballerter Elfmeter des Real-Madrid-Spielers Sergio Ramos, gepaart mit dem Stratosphären-Sprung des Österreichers Felix Baumgartner.

Die Plattform Giphy arbeitet mittlerweile mit zahllosen Unternehmen etwa aus der Filmindustrie zusammen. Die Produzenten der Serie „Game of Thrones“ etwa bieten in Zusammenarbeit mit Giphy im Nachgang zu neuen Folge die passenden GIFs an.

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GIFs – Quatsch oder nicht?

Auf keinen Fall. GIFs sind zu einer genuinen Erzählform geworden. Klar sind GIFs auch für einen Lacher gut. Aber zahllose Beispiele zeigen, dass sich mit GIFs Geschichten erzählen und Zusammenhänge erklären lassen. Gerade auch zu trockeneren Themen: Wie eigentlich ein Schloss funktioniert.

Oder wie die USA vor einigen Jahren auf hohe Arbeitslosenzahlen reagierten. Nicht zuletzt gelingt es zum Beispiel auch Mathematikern mittels GIFs, die Faszination ihres Faches zu transportieren und Mathematik anschaulich zu gestalten. Und daran scheitert immerhin so mancher Lehrer.

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