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Augmented-Reality-Spiele für Familien – so gelingt der Einstieg

Ein Laserschwertduell gegen ein Hologramm von Yoda? Augmented Reality macht das möglich. Aber was ist das überhaupt? Und welche AR-Spiele gibt es für Familien? Wir erklären es – beginnend natürlich mit: Star Wars.

Ich bin bereit“, spricht der junge Jedi. Er steht hebt sein Schwert auf Hüfthöhe an, da hört er: „Die dunkle Seite ist mächtiger als Du ahnst.“ Darth Maul persönlich spricht zu ihm, der Bösewicht aus dem ersten Star Wars-Film. Der Jedi-Gegenspieler geht auf und ab – und entzündet sein Laserschwert. Der Kampf beginnt.

Der Jedi-Schüler ist mein 17-jähriger Sohn. Er trägt einen Kopfschmuck, dessen vor die Augen geschnallter Bildschirm an eine Virtual-Reality-Brille erinnert. Hersteller Lenovo bezeichnet sein Spielzeug Star Wars: Jedi Challenge (Pro Spieler: etwa 100 Euro) als Augmented-Reality-Headset. Ich würde die Kombination aus Headset (in das man das eigene Smartphone schiebt), Lichtschwertgriff und Bodensensor der Mixed Reality zuordnen (VR, AR, MR – wer soll da durchblicken? Siehe Kasten unten). Wie auch immer man es nennt: Das Lichtschwertduell findet nicht in einer weit entfernten Galaxis statt. Sondern bei uns im Wohnzimmer.

Virtual, Augmented, Mixed Reality – wer soll da durchblicken?

Virtual Reality (VR): Die virtuelle Wirklichkeit ersetzt die tatsächliche. Der Nutzer setzt sich eine Brille mit Bildschirm vor seine Augen – und wähnt sich in einer anderen Realität. Und das oft so immersiv (in das Geschehen hineinziehend), dass sich viele Menschen nicht trauen, eine virtuelle Planke zu betreten, die vom Dach eines Hochhauses ins Freie führt.

Augmented Reality (AR):Die erweiterte Wirklichkeit bereichert die tatsächliche. Nutzer starten dazu aktuell meist eine App, die der Kamerafunktion des Handys oder Tablets eine zusätzliche inhaltliche Folie spendiert – meist gebunden an bestimmte Geo-Daten, an konkrete Orte. Beispiel Pokemon Go: Bestimmte Wesen findet nur, wer am Münchner Karlsplatz oder Berliner Alexanderplatz sucht – und das Smartphone draufhält.

Mixed Reality (MR): Die vermischte Realität bereichert und ersetzt die tatsächliche. Bei dieser Mischform von VR und AR tragen Nutzer meist Headsets, die allerdings die wahre Realität mit der virtuellen mixt. So erscheint bei Jedi Challenge Darth Maul als Hologramm im Wohnzimmer.

  • Jedi Challenge (Bild: Disney)
    Jedi Challenge (Bild: Disney)
  • Jedi Challenge (Bild: Disney)
    Jedi Challenge (Bild: Disney)

Beispiele AR-Spiele: Agent X, Pokemon Go, Jedi Challenge

Dieser Kampf ist die aktuellste Station unserer (Vater, 17-Jähriger, 13-Jähriger) gemeinsamen Reise durch die Welt technologieunterstützter Spiele. So lieben wir das Räuber-und-Gendarm des 21. Jahrhundert Agent X, waren auch dem Pokemon Go-Fieber kurz verfallen – und werden gleich dank Testprodukten von Lenovo ausprobieren, was ich 1983 beim Erstkonsum von Krieg der Sterne erträumte: Wir werden Lichtschwertkämpfe führen. Erst gegen den Computer, später gegeneinander – dank AR/MR der Jedi Challenge.

„Er sieht aus wie jemand aus der Zukunft“, entfährt es dem 13-Jährigen, als er auch auf Planet Wohnzimmer landet – und das Equipment an seinem Bruder sieht. Der ältere Jedi-Schüler (Fachleute nennen Jedi-Azubis auch: Padawan) bemerkt ihn nicht, sein Blick gilt Darth Maul. „Die Macht! Verrät mir! Wohin er schlagen wird!“, brüllt er und schwingt dazu den Plastik-Schwertgriff vor sich herum. Nur er sieht die leuchtende Laserklinge: Die App auf seinem Smartphone zaubert ein Bild, das via Spiegel im Headset in seine Umgebung projiziert wird. Er schwingt das Schwert horizontal, pariert so einen Schlag, der Griff des Schwerts vibriert. Er jubelt. „Ich will auch“, ruft sein Bruder. Wenn es dunkel ist, startet das Familienduell. Erste Erfahrung: Im Hellen sieht man die Hologramme schlechter.

R AR Spiele family

Das Familienglück steigt durch gemeinsames Spielen (egal, was)

Gemeinsames Spielen erhöht die Zufriedenheit einer Familie. Das will eine Studie von Lego im Jahr 2018 herausgefunden haben. Die Befragung von 13.000 Eltern und Kindern ergab: Es gibt eine Verbindung zwischen erhöhtem, gefühlten Familienglück und mindestens fünf gemeinsamen Spiel-Stunden pro Woche. Allerdings haben viele Eltern Probleme, zeitgenössische Spiele als wertvoll zu erachten. Die Vorurteile: Wer mit Digitalem spielt, vereinsamt, wird sozial inkompatibel, wird süchtig, geht nicht mehr raus. Die Lego-Studie widerspricht hier in Teilen: Kinder spielen lieber im selben Raum miteinander als Online. Aber: „Die heutigen Kinder sehen die digitale und reale Welt als Teil eines großen Spielplatzes“, erklärt die Psychologin Elena Hoicka von der Universität Bristol. Sie fügt hinzu: „Um möglichst viel Spielzeit miteinander zu verbringen, sollten Eltern diese Weltsicht adaptieren.“

Später, am Abend. Es ist dunkel geworden. Wir starten auch das zweite Testgerät. Erst duellieren sich die beiden Jung-Jedis mit Luke Skywalker und Yoda. Dann beginnt es: Die Brüder stellen sich gegenüber auf. Sie jubeln, als ihre Lichtschwerter virtuell ausfahren – und beginnen, ihre Klingen zu kreuzen. Was nur sie sehen: Gelbe Umrisse der Waffe im Raum zeigen ihnen die ideale Verteidigungshaltung, dünne Pfeile den optimalen Angriffswinkel und dicke Pfeile, in welche Richtung sie körperlich ausweichen sollten. Als ich dran bin, muss das Star-Wars-Filmzitat aus mir heraus: „Ich bin Dein Vater.“

  • Pokémon Go
    Pokémon Go
  • Agent X
    Agent X

AR im Freien: Agent X, das zeitgenössische Räuber und Gendarm

Mit Augmented Reality haben wir schon seit vielen Jahren Spaß. Vor allem mit einem Spiel namens Agent X: Das Räuber und Gendarm des 21. Jahrhundert ist die Frischluftvariante das Gesellschaftsspiels Scotland Yard, bei dem Detektive (bei uns Teams mit je einem Erwachsenen und einem Kind) Mister X jagen, der sich meist unsichtbar auf dem Spielbrett bewegt. Zeitgemäß finde ich, dass die reale Umgebung das Spielbrett ist – und Mister X mal auf einem Schulhof oder in einem fremden Garten auftaucht. Gespielt wird rennend, versteckend und via Smartphone-App (Für iOS oder Android): Diese zeigt die Karte der Nachbarschaft, den aktuellen Aufenthaltsort aller Agenten (aber nur jede Minute den von Mister X) und virtuelle Hilfsmittel an realen Orten. Zum Beispiel den einsammelbaren Schrei, den Agenten auf das Handy von Mister X schicken, wenn sie ihn in unmittelbarer Nähe wähnen, aber nicht sehen. Nach spätestens zwei Stunden sind alle dreckig (Super Versteck im Herbst: Blätterhaufen), und nass geschwitzt (vor allem: Mister X).

Apropos AR-Spiele im Freien: Die reale Jagd auf virtuelle Monsterlein in Parks, auf Straßen, am See namens Pokémon Go war bei uns nur ein kurzer Hype. Zwar liefen auch wir eine Woche lang zu bekannten Quellen seltener Wesen, schnell aber wurde klar: „Die Idee ist cool, aber das Spiel ist schlecht“, sagte damals der heute 17-Jährige. Es fehlte das, was ein gutes Game braucht: interessante Entscheidungsfindung oder ein Modus, den Gruppen unter sich spielen können – wie bei Agent X. Umso heißer sind wir auf das, was irgendwann 2019 das Licht der AR-Welt erblicken soll.

Das AR-Jahr 2019: Harry Potter Unite und Lego Hidden Side

Jüngst erschienen ist das Harry-Potter-Spiel Wizard Unite, konzeptioneller Nachfolger von Pokémon Go. Heißt: Wieder werden Menschen im echten Draußen nach virtuellen Wesen oder Dingen fahnden – mit dem Smartphone als Fenster in diese Parallelwelt. Das neue Setting: Nach einer mysteriösen Katastrophe helfen Spieler im Auftrag des Ministeriums für Zauberei weltweit, das Chaos zu beseitigen: Sie befreien fantastische Tierwesen, bekämpfen Dementoren und finden wundersame Zutaten – vor der Haustür. Was uns zudem erwartet: Das Konzept Lego Hidden Side erweitert ab August das klassische Klötzchenbauen um eine geisterhafte Ebene: In den acht Modellen der Spezialserie verstecken sich übersinnliche Geheimnisse, die bis zu zwei Spielern via Smartphone entdecken können. Wir werden beides sicherlich mindestens ausprobieren.

Fazit des 13-Jährigen

Zurück zum Planeten Wohnzimmer. Vater Vader und der Nachwuchs-Jedi nehmen ihre Headsets ab. Und? „Ist cool. Aber nicht jeden Tag“, sagt der 13-Jährige. „Hat Potenzial, aber die Technik ist noch nicht ausgereift: meine Sehbrille stört, das Headset drückt, der Schaumstoff löste sich im ersten Kampf und das Lichtschwert wird oft schräg angezeigt“, ergänzt der 17-Jährige. Als ich sage, dass mir die vielen Anzeigen zu bunt und unübersichtlich waren, antwortet der Jüngere: „Stimmt nicht. Du wirst alt.“ Ich lache und verspreche mich mit dunkler Stimme: „Vorsicht. Ich bin Dein Vader.“ Lachend packen wir die Testgeräte zurück in ihre Schachteln. Zeit für den Abwasch.

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