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Meinung

Macht eure Kinder nicht zu Zukunftsverlierern

Keine Angst vor der bösen Digitalisierung! Mit diesem Leitfaden für den richtigen Umgang mit digitalen Medien bist du auf der sicheren Seite.

Eltern können keinen größeren Fehler machen, als ihre Kinder von allem Digitalen fernzuhalten. Dabei ist es absolut nachvollziehbar, dass sie es gerne würden. Sandra Rexhausen und Anja Horn, Medienexpertinnen und Gründerinnen von CodingKids.de, sagen: Angst hat noch nie weitergeholfen! Warum unsere Kinder 21st Century Skills brauchen und wie es um die Arbeit der Zukunft steht.

Dieser Text ist in ähnlicher Form als Gastbeitrag bei Socialmoms.de erschienen.

„Weg vom Tablet, Schatz!“

Cybermobbing, Datenkraken, Internetsucht. Ja, die Digitalisierung kann einem ganz schön die Laune verderben. Denn so sehr uns Smartphones und praktische Apps den Alltag erleichtern – auf diese Nebenwirkungen hat wirklich keiner Lust. Gerade Eltern reagieren auf die negativen Aspekte der Digitalisierung besonders sensibel. Schließlich ist in unserer Mama-und-Papa-DNA fest verwurzelt, dass wir unsere Kinder vor allem Bösen beschützen möchten. Der erste Impuls ist da nur logisch: „Weg vom Tablet, Schatz!“

„Die Digitalisierung kann einem ganz schön die Laune verderben.“

Hiermit könnte alles gesagt sein. Wenn da nicht dieses riesengroße Aber wäre. Denn bei allem Verständnis für die Sorgen und Zweifel von Eltern: Manchmal müssen wir unsere Ängste überwinden. In Punkto Digitalisierung ist das der Fall. Weil wirklich keine Mutter und kein Vater ernsthaft riskieren möchte, dass ihr Kind später einmal im Leben nicht zurechtkommt oder zum Zukunftsverlierer wird.

Keine Ahnung vom Digitalen = keine Ahnung vom Leben

Let’s face it: Internet und digitale Tools bestimmen unser Leben: Wir buchen unseren Urlaub im Netz, wir bleiben über soziale Medien mit Gott und der Welt in Kontakt, wir verschicken gefühlt 500 Mails am Tag. Aber so richtig begreifen wir nicht, was hinter all der Technik steht. Und wie sie uns vielleicht auch steuert.

Nun wird es in Zukunft aber immer wichtiger sein, die Technik nicht nur als Konsument zu nutzen, sondern zum aktiven Gestalter zu werden. Und das geht eben nur, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Und nein, wir meinen hier keine Dreijährigen, die stundenlang „Paw Patrol“ auf Netflix schauen dürfen.

Vielmehr geht es ums Programmieren, um den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien, um ein Grundverständnis für die Technik, die uns ständig umgibt – und die letztlich auch bestimmt, was wir zu welchem Preis kaufen. Denn Suchmaschinen werden von Algorithmen gesteuert – es ist also meistens kein Zufall, wenn wir in diesem oder jenem Onlineshop landen.

Also: Wer sein (jugendliches) Kind davon abhält, die digitale Welt zu erkunden und zu begreifen, riskiert, dass es irgendwann keine Ahnung vom Leben hat. Selbstverständlich muss dieses Entdecken von uns Erwachsenen begleitet werden. Wir lassen unser Kleines ja auch nicht einfach so den Straßenverkehr erkunden.

Klare Familienregeln müssen her: Wo liegen die Geräte in der Nacht? Am besten an einem bestimmten Platz im Flur. Wie viel Onlinezeit am Tag ist okay? Da können Verträge geschlossen werden. Welche Inhalte in den sozialen Medien sind tabu? Da helfen meistens der gesunde Menschenverstand und ein Gespräch auf Augenhöhe. Seiten wie www.schau-hin.info und www.klicksafe.de unterstützen dich bei der Begleitung.

Macht euren Kindern keine Angst vor der Zukunft!

Wenn es um die Digitalisierung und Kinder geht, retten sich Erwachsene gerne in eine Art Eskapismus. Früher war alles besser, da gab es kein Darknet, keine Gewaltspiele und die Menschen haben noch richtig miteinander geredet, anstatt immer nur schnell flüchtige Kurznachrichten zu tippen.

Fair enough, aber früher – sagen wir vor 50 Jahren – durften Frauen ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes nicht arbeiten gehen, jede Art von Reisen hat wesentlich länger gedauert als heute, Kinder zu schlagen war ein absolut gängiges Erziehungsmodell und es wurde so gut wie überall permanent geraucht. Früher war definitiv nicht alles besser.

„Wir hatten noch nie so viele Möglichkeiten, die Gesellschaft mitzugestalten.“

Wir interpretieren in unserer Überforderung die Vergangenheit neu und blenden ihre negativen Aspekte aus. Die Wahrheit ist: Es ist großartig, genau jetzt zu leben. Trotz unübersichtlicher Informationsflut und Hate Speech im Netz. Das müssen wir uns immer wieder klar machen. Wir hatten noch nie so viele Möglichkeiten, die Gesellschaft mitzugestalten. Unsere Meinung zu äußern. Uns kreativ auszudrücken. Und das alles dank der digitalen Entwicklungen.

Das Blödeste, was wir machen können? Unseren Kindern Angst vor der Zukunft zu machen und sie von allem Digitalen fernzuhalten. Das hemmt sie in ihrer Entwicklung und lässt sie ängstlich werden. Und ängstliche Menschen haben die Welt noch nie zu einem besseren Ort gemacht.

Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

Künstliche Intelligenz ist im Vormarsch, die Automatisierung ist nicht aufzuhalten, unsere Jobs werden wir an Roboter verlieren! Keine Frage, viele Menschen fürchten sich davor, irgendwann arbeitslos zu sein, weil es ihren Beruf nicht mehr geben wird. Diese Angst ist nicht ganz unbegründet. Aber nur dann, wenn wir nicht bereit sind, lebenslang zu lernen. Oder vielleicht mal eine Umschulung zu machen (wer es genau wissen möchte: Auf Job Futuromat kann man seinen Beruf eingeben und bekommt ausgerechnet, welche Tätigkeiten davon ein Roboter erledigen könnte).

„Wandel und Brüche im Lebenslauf werden in Zukunft völlig normal sein.“

Die Zeiten sind vorbei, in denen man nach der Schule einen Beruf erlernt und dieses Wissen einen durchs gesamte Berufsleben trägt. Bis 2030 wird es für ein Drittel der Menschen normal sein, sich immer wieder beruflich neu zu orientieren. Das sollte als Chance gesehen werden. Denn vielleicht passt der neue Job viel besser zu einem als der alte. Für unsere Kinder bedeutet das: Wandel und Brüche im Lebenslauf werden in Zukunft völlig normal sein. Die besten Chancen haben dann diejenigen, die flexibel sind und Freude an Veränderung haben. Und die in der Lage sind, Computer zu steuern.

Ein Smartphone oder einen Rechner zu bedienen ist eine neue Kulturtechnik

Programmierwissen und ein Verständnis dafür, was ein Algorithmus ist und wie Künstliche Intelligenz tickt, sind absolut zukunftsrelevante Kompetenzen. Halten wir unsere Kinder von all dem so lange wie möglich fern, halten wir sie davon ab, die Zukunft zu verstehen. Ein Smartphone oder einen Rechner zu bedienen ist eine neue Kulturtechnik, die neben Lesen, Schreiben und Rechnen in den Alltag von jungen Menschen gehört. Einfach, weil es ohne sie in der Zukunft nicht funktionieren wird.

21st Century Skills: Was unsere Kinder für die Zukunft brauchen

  1. Kompetenter Umgang mit Medien
  2. Virtuelle und persönliche Kommunikation
  3. Kreative Problemlösung
  4. Flexibilität

Weil in den nächsten Jahrzehnten viel Dateneingabe von Künstlicher Intelligenz erledigt werden kann, wird es mehr Zeit für das geben, worum es eigentlich im Leben geht: empathisch sein, Gespräche führen, Menschen begleiten. Soziale Berufe etwa werden immer wichtiger werden. Aber auch solche, die komplexe gesellschaftliche Probleme lösen. Die nächste Generation sollte also über die 21st Century Skills verfügen. Oder anders gesagt: Wer in diesen vier Kompetenzbereichen glänzt, wird auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft bestehen.

Der Mensch wird immer mehr im Mittelpunkt stehen

Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass es in den nächsten Jahrzehnten gar nicht mehr um Menschen geht, weil alles von Maschinen erledigt und bestimmt wird. Ganz im Gegenteil: Der Mensch wird immer mehr im Mittelpunkt stehen – und das ist doch eine wunderbare Nachricht.

Erziehen wir unsere Kinder also zu selbstbewussten, empathischen und reflektierenden jungen Menschen, die sich selbst einschätzen und für sich einstehen können. Geben wir ihnen das Rüstzeug mit auf den Weg, das 21. Jahrhundert mit all seinen technischen Entwicklungen und Möglichkeiten zu begreifen und mitzugestalten. Mehr können wir nicht für sie tun.

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